Mit STILLE präsentiert Maja Häusermann erstmals eine Einzelausstellung ihrer fotografischen Arbeit. Ihrer künstlerischen Tätigkeit räumte sie, im Hauptberuf als Ärztin tätig, stets einen wichtigen Platz ein: In den 80er-Jahren schuf sie Berglandschaften mit Pastellkreide, später tauschte die Künstlerin Kreide und Leinwand gegen Kamera und lichtempfindliches Papier aus. Die Bergwelt und ihre magische Aura bleiben aber auch in ihrem fotografischen Schaffen als Hauptmotive bestehen.
Während einer Skitour auf die Furka fasste die bergbegeisterte Künstlerin den Entschluss, Landschaften künftig mit der Kamera festzuhalten. «Es waren die grafischen Muster des schmelzenden Schnees, die mich in ihren Bann schlugen», erinnert sie sich. Schöne Bergbilder für neblige Tage im Unterland zu schaffen, ist aber ihre Absicht nicht. Vielmehr gilt es, den abstrakten, nahezu stofflichen Charakter einer Landschaft abzutasten und herauszuschälen. Wie ein samtiger Pelz schmiegen sich grüne Matten an die sanften Hügel; Schnee- und Grasstreifen erinnern an das Muster einer Zebrahaut. Besonders eindrücklich gelingt die Abstraktion in der Engadiner Serie, wo sich auf dem schwarzgefrorenen mit letzten Schneeresten bedeckten Silsersee ganz eigene bizarre Strukturen bilden.
Mit dem Wandel der Tages- und Jahreszeiten nimmt Maja Häusermann ein Thema auf, das bereits für ihre Landschaften aus Pastellkreide charakteristisch war. In der frühen, weniger abstrakten Serie «Stierva» zelebriert die Künstlerin einen Sonnenaufgang als magischen Augenblick, in welchem die Gipfel in allen Farbnuancen erstrahlen. Die Serie «Furka» – zwischen April 2001 und Juli 2006 entstanden – vermittelt, wie ein und derselbe Landschaftsstrich sich im Laufe des Jahres wandelt. Das Dokumentarische steht hier dennoch nicht im Vordergrund. Vielmehr soll das Atmosphärische, die erfasste Stimmung, die «Stille» im Raum spürbar werden.
Die Bildausschnitte wählt Maja Häusermann vor Ort und beschneidet die Fotografien später kaum. Die Bildbearbeitung versteht sie hingegen als wichtigen Bestandteil ihres Werkes: Nur so kommt jene Flächigkeit und Struktur zum Vorschein, die der Erinnerung des Moments, der erlebten Stimmung gerecht werden. Entsprechendes Gewicht erhalten auch die Materialien der Ausstellungsprints. Der Glanz eines Ilfordpapiers betont den Kälteaspekt einer Eisfläche, während der Pigmentdruck auf Büttenpapier für einen staubigen heissen Julitag in Kamtschatka stimmt. Die ausgestellten Arbeiten entstanden auf Reisen in Kirgistan, Norwegen, Tibet und in den Schweizer Alpen. Zur Ausstellung ist die Publikation STILLE erschienen, mit einem Nachwort von Guido Magnaguagno.